Brav_a #9 Release-Lesung

Brav_a #9 Cover
17.08.2017 um 19:30h, B-Lage, Mareschstr. 1 in Neukölln

Brav_a #9 Release: 70+ Seiten Spaß und Spannung nur für euch! Mit Tombola und Lesung, so wie ihr es mögt. Danach zusammen chillen und awkward sein.
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Brav_a #9 Release: 70+ pages of fun an excitement only for you! With tombola and reading (in German), just as you like it. Then chilling together and being awkward.

Rezension: Support your Sisters not your Cisters

zuerst veröffentlicht in der Brav_a #8 im Oktober 2016

Die Sängerin, Autorin und Bildungsarbeiterin FaulenzA hat uns im April diesen Jahres angeschrieben, ob wir ihr Buch rezensieren können, das im März 2017 erscheinen wird. Das haben wir natürlich gerne gemacht. Mehr als vier Monate musste FaulenzA dann auf unseren ersten Textentwurf warten. Der war größtenteils positiv, aber ein paar kleine Kritikpunkte hatten wir. Die sind nun in der fertigen Rezension nicht mehr da, denn FaulenzA hat in einer freundlichen E-Mail-Diskussion (ja, das gibt es! ;) ) gesehen, was wir meinten, und die entsprechenden Buchpassagen kurzerhand anders formuliert. Von unserem Text sind also nur die lobenden Worte und eine sehr positive Einstellung gegenüber der Autorin geblieben …

FaulenzA Cover Support your sisters not your cisters
Support your sisters not your cisters
Über Diskriminierung von trans*Weiblichkeiten

Mit Illustrationen von Yori Gagarim
Taschenbuch, 144 Seiten, 10 Euro
ISBN 978-3-96042-010-1 | WG 973
Neuerscheinung März 2017
Verlag: edition assemblage

„Support your sisters“ hat einen theoretischen Teil in dem herausgearbeitet wird, was genau Trans*feindlichkeit ist und was diese von anderen Ungleichheitsbehandlungsweisen unterscheidet. Danach werden in einem eher praktischen Teil persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, insbesondere auch in queeren und lesbischen Szenen, beschrieben, bevor am Ende diskutiert wird, wie es anders laufen könnte.
Aus einer subjektiven Perspektive gibt FaulenzA der_m Leser_in einen guten Eindruck davon, wie viel Scheiße sich Trans*frauen in der Welt da draußen, aber auch innerhalb der queer-feministischen Szene täglich reinziehen müssen. Sie fordert Cismenschen dazu auf, sich der eigenen Privilegien klar zu werden und Solidarität zu zeigen. Ergänzt mit eigenen Songtexten, schreibt sie über das Zusammenspiel aus Trans*feindlichkeit, Misogynie (die Abwertung von Frauen), Klassismus und Ableismus. Sie kritisiert die Pathologisierung von Trans*weiblichkeit und zeigt durch Beschreibung von persönlichen Erfahrungen, was für ein entwürdigendes Verfahren Trans*personen durchlaufen müssen, um die Kostenübernahme für eine geschlechtsangleichende OP zu erhalten.

FaulenzA beleuchtet die Auswirkungen von lebenslangen Ausschlusserfahrungen, die ein selbstbewusstes Auftreten erschweren und es so Betroffenen auch in vermeintlichen Safe Spaces schwierig machen können, sich ihren Raum zu nehmen. Hinzu kommt, dass auch queere und feministische Zusammenhänge von Vorurteilen und Herrschaftsstrukturen aus der Normalgesellschaft durchsetzt sind. Wie andere vor ihr schon kritisiert haben, wird auch hier Männlichkeit als stark und positiv betrachtet, während Weiblichkeit abgewertet wird. Und zu Recht kritisiert FaulenzA die Ausschlüsse, die gegen Trans*frauen durch diskriminierende oder schwammige Definierung von vermeintlich antisexistischen und feministischen Schutzräumen ausgesprochen werden.

In der Kritik an der queer-feministischen Szene illustriert das Buch immer wieder die Interessenskonflikte innerhalb dieser sehr heterogenen Menschengruppe. Ein Beispiel ist die Art, wie Menstruation in Form von Workshops, Vorträgen oder Kunst auf queer-feministischen Veranstaltungen oft thematisiert wird. Während es für menstruierende cis-Frauen höchst empowernd sein kann, sich über dieses gesellschaftliche Tabuthema und Tipps gegen Schmerzen auszutauschen, sind die Zielgruppenformulierungen oft verletzend für andere Gruppen. Eine „an Frauen“ gerichtete Veranstaltung übersieht, dass es sowohl trans*-Männer gibt, die menstruieren, als auch Frauen, trans*-Frauen wie cis-Frauen, die nicht menstruieren.

Das Buch verdeutlicht also, dass „die Szene“ eher ein Sammelbecken als ein monolithischer Block ist, in dem sich verschiedene Personen, die auf verschiedene Weise von der Gesellschaft geprägt und meistens schlimm behandelt wurden, wiederfinden und gemeinsame Räume miteinander verhandeln. Dadurch, dass alle Leute die diskriminierenden Gesellschaftsstrukturen noch in sich tragen, ist es leider unmöglich, die Szene als absoluten Safe Space zu etablieren.
Was wir aber etablieren können, ist eine Kultur des Den-anderen-Zuhören und der Empathie, das Sich-selbst-Reflektieren und Kontinuierlich-an-sich-Arbeiten. FaulenzAs Buch ist genau dafür geeignet: Es bildet die Perspektive einer Person ab, die sowohl in der Gesellschaft als auch in der Szene viel zu wenig gehört und berücksichtigt wird. Das sollten wir ändern!

Suche nach Beiträgen für die 9. Ausgabe!

elefantWir suchen ab sofort nach neuen, tollen Beiträgen für die Brav_a #9! Schwerpunktthemen der neuesten Ausgabe werden Klassismus und Haare! Hier findet ihr den ganzen Aufruf mit allen Infos – as well as the English version! Also, schreibt, zeichnet, kreiert was euch so einfällt und schickt uns alles bis 15. April an: brav_a@gmx.de

Brav_a @ Soli D.I.Y. Fair

Kreuzberg Soli Radical DIY FairGute Nachrichten: Wir haben offiziell mit der Arbeit zur Ausgabe #9 angefangen und sind mehr Radaktionskollektiv-Mitglieder als jemals zuvor: VIER leute. Wir werden hier demnächst bald den offiziellen Aufruf nach Beiträgen veröffentlichen, ihr könnt uns natürlich auch gerne jetzt schon was schicken! an brav_a@gmx.de
Und: Wir werden am Samstag den 11. März zusammen mit dem KRASS Magazin eine Tisch bei der Kreuzberg Soli Radical DIY Fair machen – kommt vorbei und besorgt euch die letzte Brav_a falls ihr sie nicht schon habt. Oder auch alle alten Ausgaben!
11h bis 19h, in der Erreichbar, Reichenbergerstr 63a, Berlin, Link zum Facebook-Event

Redaktionskollektiv sucht… dich?

[zuerst veröffentlicht in der Brav_a #8, Oktober 2016]

Hallo liebe Leser_innen, in unserem kleinen Nachwort möchten wir gern unsere Hausaufgabe auswerten. Und euch darauf aufbauend mitteilen, wie wir uns die Zukunft der Brav_a vorstellen.

Diagramm

Diagramm
Diagramme: 3 Monaten Arbeit für die Brav_a

Es fallen euch sicher gleich einige Sachen auf. Zum ersten: Wir haben nach drei Monaten unregelmäßigen Tabellenausfüllen aufgegeben und damit eigentlich nur den entspanntesten Teil der Brav_a-Arbeit abgebildet: Interviews, Fotolovestory, Layout und viel vom Vertrieb fehlen also noch. Und wir sehen außerdem, was zu befürchten war. Der cis-männliche Teil des Redaktionskollektivs arbeitet signifikant weniger. Vor allem sehen wir aber wie unfassbar viel Zeit das alles braucht und bis hierher sprechen wir nur von uns beiden und übergehen andere Leute. Wir machen die Brav_a nun schon eine Weile und wir machen es weiterhin genauso gerne wie am Anfang, aber während diesen nun schon fast fünf Jahren haben sich unsere Leben, so wie im Editorial angedeutet, ziemlich verändert. Neben Brav_a machen wir nicht nur andere Hobbys und politische Projekte sondern auch noch Lohnarbeit.
Perspektivisch wird dies wohl dazu führen, dass zunächst der Veröffentlichungsrhytmus immer langsamer wird, bis wir dann ganz aufhören. Vielleicht zerstreiten wir uns auch noch ein bisschen um die Enttäuschung unser eigenen Ansprüche zu kaschieren ;)

Daher haben wir uns überlegt, dass wir unser Zweierteam gerne öffnen möchten.
In der Vergangenheit waren wir durch jahrelanges diskutieren in anderen Gruppen ziemlich plenumsmüde, aber wir denken inzwischen dass es auch anders funktionieren kann. Wir suchen also nach Leuten, die Lust haben die Plattform, die wir mit Brav_a aufgebaut haben (650 Follower auf Facebook!!111!) für ihre eigenen Ideen zu nutzen. Am liebsten selbstständige Menschen, die Teilbereiche übernehmen, sich regelmäßig treffen und ihr eigenes Ding draus machen ohne den Blick für die anderen zu verlieren. Und Isabelle und Daniel machen da irgendwie mit, aber können auch damit leben, dass sich alles etwas verändern wird.
Wir merken auch, dass wir durch unser hohes Alter :D und unsere Positionierung als cis-geschlechtlich, weiße Mittelschichtskids bzw Arbeiterklasse-Herkunft mit Wissenschaftssjob an der Uni, nicht alles auf dem Schirm haben und sicher wichtige Perspektiven nicht abbilden. Und wir verpassen sicher auch so einige Themen die in der queer-feministischen Szene, weil wir sie oft nur noch aus einer Entfernung betrachten, statt (außer mit diesem Zine) aktiver Teil davon zu sein.

Wie genau funktioniert Brav_a gerade und welche Jobs machen wir?
Es gibt mehre Phasen: Erst überlegen wir uns Schwerpunkte, schreiben einen Aufruf nach Beiträgen, suche nach einer Cover-Person und sammeln Texte/Comics/ die uns gefallen. Dann layouten wir das Heft, lassen es drucken und am Ende organisieren wir (meistens) eine kleine Feierlichkeit, bei der wir das große Verteilen beginnen. Zwischendrin jede Menge E-Mails schreiben, mit Autor_innen, mit Leuten die Brav_as bestellen, andere Anfragen beantworten. Und ab und zu Mal mit einem Brav_a-Tisch auf Veranstaltungen vertreten sein.
Bei allen Schritten könntest du dich einklinken wenn du Lust hast. Dir Themen überlegen, die du relevant findest, nach Beiträgen suchen, selber Texte schreiben, mit deinen Freund_innen eine Foto-Love-Story knipsen, dich am Layouten eines Magazins üben (oder es perfekt machen, falls du Profi bist). Die Brav_a könnte auch noch in viel mehr Läden, auch in anderen Städten verkauft werden, wenn sich nur jemand die Zeit nehmen würde. Wir könnten auch mehr networken und mit anderen Zines kollaborieren oder Lesungen in anderen Städten machen… wenn nur jemand die Zeit dafür hätte…. Die Brav_a könnte in andere Sprachen übersetzt werden… oder als Podcast/Audiobook erscheinen. Wenn nur jemand die Zeit und Mühe dafür investieren würde…

Was ist Brav_a?
Was dieses Zine beinhaltet, kann sich auch verändern, und klar ist es unser Baby, aber wir können loslassen. Wir denken nur es wäre schade, wenn die kleine aber feine Bekanntheit die Brav_a inzwischen hat, mit uns verpufft statt von anderen genutzt zu. So lange wir mitarbeiten sind uns ein paar Sachen sehr wichtig, wie

• wir wollen „Coolheit“ nicht abfeiern und kein Queer-Hipster-Style-Magazin sein
• nicht nur Themen thematisieren die gerade „Trend“ sind
• so einfach wie möglich geschriebene Texte damit möglichst viele was davon haben
• Beiträge über persönlichen Erfahrungen und in denen über eigene Fehler und Schwächen geredet werden kann
• keine normativen Schönheitsideale promoten mit Cover-Person, Darstellung von Personen in Comics, etc.
• nicht aus Angst Szenetod zu sterben Szenecodes einhalten, sondern einfach andere Menschen nicht durch Sprache oder Inhalte verletzen wollen

Wir fänden es schön, wenn sich diese Dinge nicht zu sehr ändern, aber denken wer mitarbeitet kann natürlich genauso mitbestimmen. Also wenn ihr Interesse habt mitzumachen, und das vielleicht sogar regelmäßig, dann schreibt uns! Unsere Mail-adresse ist brav_a@gmx.de. Dann treffen wir uns mal auf einen Kaffee! Und wenn ihr nicht richtig mitmachen wollt, aber andere Ideen habt, zum Beispiel euch eine regelmäßige Kolumne überlegt habt und die gern übernehmen wollt: Auch sehr cool: Schreibt uns auch das. Ihr könnt auch gern woanders als in Berlin wohnen, dann e-mailen/skypen wir halt.

Genau, dass wollten wir auf jeden Fall am Ende gern nochmal mit euch teilen. Die nächste Brav_a kommt bestimmt, aber mit eurer Hilfe kommt sie vielleicht mal wieder schneller und pünktlicher.

Liebe Grüße
Euer Brav_a-Redaktionsteam